Was ist Kallari?

Eine Reise in die Welt von Kallari: Teil 1

KALLARI ist eine Kleinbauerngenossenschaft von  Kakao- und Schokoladenproduzenten aus dem Amazonasgebiet Ecuadors.
1997 schlossen sich 50 indigene Kichwafamilien zusammen, um bessere Preise und bessere Vermarktungsmöglichkeiten für ihre Produkte zu schaffen. Mittlerweile sind 850 Mitgliedsfamilien. Es ist wichtig zu betonen, dass KALLARI weitere 2000 Familien in ihre Arbeit einbezieht, die nicht direkte Mitglieder sind. Sie profitieren als Partner direkt durch den Verkauf ihres Kakaos an Kallari und die fachliche Unterstützung und Beratung.
Seit 2005 werden 1/3 der Kakaobohnen mit steigender Tendenz  direkt weiterverarbeitet und Schokolade in Eigenproduktion hergestellt.
Somit deckt KALLARI die komplette Wertschöpfungskette des Kakaos vom Anbau über die Ernte bis zur fertigen Schokolade ab. Die Erlöse aus dem Verkauf gehen ohne Umwege an die KALLARI - Kleinbauern zurück bzw. werden von der Genossenschaft in Gesundheit, Bildung und Infrastruktur investiert. Die Schokoladen werden in den USA, Skandinavien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland vermarktet.
KALLARI hat es geschafft, ein nachhaltiges und dauerhaftes Einkommen für die Kichwafamilien zu sichern. Grundlegende Lebensbedürfnisse können damit abgedeckt werden, ohne die Regenwälder zu zerstören, das Land zu verkaufen oder auswandern zu müssen.

Kallari Familien

Die Familien von KALLARI gehören zu dem Volk der Kichwa des Amazonasgebiets Ecuadors. Ein kleiner Teil der Mitglieder sind Siedler aus anderen Regionen Ecuadors, die seit mehreren Generationen im Amazonasgebiet leben. Die Kichwa sind einer der acht im Amazonastiefland Ecuadors lebenden indigenen Völker, die zwar sprachlich und kulturell unterschiedlich sind, sich jedoch aufgrund der gleichen Umweltbedingungen in vielen Aspekten ähneln. So zum Beispiel in der Zubereitung von Speisen, landwirtschaftlichen Methoden, der Jagd, Schamanismus und der Herstellung von Kunsthandwerken.
Mit 60.000 bis 100.000 Zugehörigen bilden sie die größte indigene Gruppe in dieser Region. Obwohl die Kichwa keine einheitliche Herkunft haben, erkennen sie sich als ein Volk (Nacionalidad Kichwa) an. Die Kichwa nennen sich in ihrer Sprache „RUNA“, was „Menschen“ bedeutet. Ihre Sprache wird als Kichwa oder „RUNA shimi“ (Sprache des Menschen) bezeichnet. Ihre zweite Sprache ist Spanisch, die für die Kommunikation mit den nicht-indigenen Völkern verwendet wird.
Trotz des langjährigen Einflusses der Siedler und der ständigen Bedrohung ihrer Kultur haben die RUNAS bis heute wesentliche kulturelle Bestandteile ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise erhalten.
Heutzutage leben die Familien von KALLARI organisiert in Gemeinden (comunidades). Innerhalb der Gemeinden werden auf Versammlungen aller Gemeindemitglieder alle wichtigen Entscheidungen und die Organisation der Arbeit demokratisch getroffen. Die Arbeit für das Allgemeinwohl wird in Mingas (solidarische, gemeinsame Arbeit) durchgeführt. Jede Gemeinde hat einen Vorstand  (Präsidenten, Vizepräsidenten, Sekretär, Schatzmeister) der die Entscheidungen der Gemeinde steuert.

Ihre Lebensform ist mit Tradition und Moderne verbunden und je nach geografischer Lage und der Intensität des Kontakts mit der nicht indigenen Bevölkerung geprägt. Die meisten Familien leben von Landwirtschaft und verkaufen ihre Produkte auf lokalen Märkten. In den abgelegenen, schwer erreichbaren Gemeinden leben die Familien noch heute traditionell von Jagd, Fischfang, Sammeln von Früchten und Pflanzenteilen sowie von Heilmedizin aus der Natur, Hausbau oder Herstellung von Kunsthandwerk. Einige wenige Familienangehörige haben eine weiterführende oder Hochschulausbildung und sind in staatlichen Regionalbüros, NGOs oder als Lehrer angestellt.
Die landwirtschaftlichen Methoden der RUNA sind nachhaltig und umweltfreundlich. Es kommen keine Herbizide, Schädlingsbekämpfungsmittel, Fungiziden oder schwere Maschinen zum Einsatz. Leider können die nachhaltig erzeugten Produkte nicht mit der billigen Produktion, die durch Monokulturen ermöglicht wird, konkurrieren.
Der Verkauf der Erzeugnisse an KALLARI bringt den Familien ein zusätzliches Einkommen. Sie sind somit nicht gezwungen, ihre Land zu übernutzen oder ihre Hartholzbäume zu fällen, um sie zu minimalen Preisen zu verkaufen.
Durch die Produktion und den Verkauf von Kakao und Schokolade sind die Familien in der Lage von ihrem Land in nachhaltiger Weise zu leben.

Chakra - Traditionelle Anbauweise

Die Kichwafamilien betreiben eine Art agroforstwirtschaftliches System genannt „Chakra“. Die Chakra ist eine traditionelle kleine Anbaufläche mit einer Größe bis zu einem Hektar. Es bietet eine sehr große Vielfalt an Pflanzenarten für verschiedene Verwendungen.
Traditionell bauen die Kichwa in ihren Chakras kurzlebige Pflanzen für die Ernährung wie Mais, Maniok, Bohnen, Ananas und wilde Kartoffeln an. Dazu kommen Guayusa, Palmen, Obstbäume, Bauholzarten, medizinische Pflanzen und Pflanzen für die Herstellung von Kunsthandwerken. Durch die Konfrontation mit der Marktwirtschaft sind zusätzliche Kulturpflanzen wie Kakao rein für den Verkauf hinzugekommen. Heutzutage sind die Chakras eine Mischung aus Nutzbaumarten, Obstbäumen und Kulturpflanzen, die sowohl der Subsistenz der Familie als auch zum Weiterverkauf dienen. Die Waldnutzung in Mischkulturen schützt nicht nur die verschiedenen Pflanzenarten, sondern auch die Tiere und den Lebensraum der Bewohner.
Die Chakra ist ein Ort mit vielen kulturellen Werten, in der die ganze Familie tätig ist und das uralte Wissen an die junge Generation weitergegeben wird.

Region

KALLARI vereint kleine Produzenten aus der Provinz Napo (Napumarka) im Amazonasgebiet Ecuadors. Ihr Hauptsitz liegt in der Provinzhauptstadt Tena. Die Gemeinden von Kallari liegen entlang der Flüsse Jatunyacu, Rio Napo und in den ländlichen Gebieten um Tena. Sie befinden sich damit in der Pflegezone des Biosphärenreservats Gran Sumaco umgeben von einer der größten Artenvielfalt der Welt. Die Natur bietet hier viele Sehenswürdigkeiten wie Wasserfälle, wunderschöne Flüsse, Höhlen und die typischen traumhaften Landschaften des Amazonasregenwaldes.

Anbau von Kakao in Chakra Systeme

Der edle Kakao der Sorte Nacional für die Schokoladen von Kallari wird in solchen Chakras angebaut. Durch seine Umgebung entfaltet der Kakao im Wachstumsprozess ein mildes, zart-blumiges Aroma mit fruchtiger Note – so reift er zu einem der besten Edel-Aromakakaos der Welt.
Der Anbau von Kakao im System der Chakras garantiert auch der Kichwafamilie einerseits die Ernährungssicherung und andererseits ein Einkommen, um ihre Bedürfnisse wie Gesundheit und Schulbildung für ihre Kinder zu finanzieren.