Welches sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Guayusa- und Mate-Pflanze und welche Bedeutung haben sie für Indigene Völker?

Die Guayusa-Pflanze wird wissenschaftlich als Ilex guayusa bezeichnet und gehört somit zur gleichen Familie wie die Mate Pflanze, auch  Ilex paraguariensis genannt. Von beiden Pflanzen werden die Blätter verwendet, um aus diesen vor allem Tee zuzubereiten.

Den Ursprung haben beide in Südamerika, wobei die Guayusa Pflanze ihre Wurzeln in Peru, Kolumbien und hauptsächlich Ecuador hat, die Mate Pflanze hingegen in Argentinien, Uruguay, dem Süden Brasiliens und Paraguay. Beide Pflanzen sind für die jeweiligen indigenen Völker aufgrund ihrer positiven Effekte auf den Körper, wie beispielsweise Antioxidantien, Heilpflanzen und wichtiger Bestandteil ihrer Kulturen.

guayusa

Die Guayusa-Pflanze, von den Kichwa-Völkern auch „Wayusa“ genannt, wird alltäglich für zahlreiche Rituale verwendet. Noch immer trinken sie jeden Morgen zusammen Guayusa, um gemeinsam in den Tag zu starten und sich mit allen Kräften den Herausforderungen des Tages stellen zu können, beispielsweise der bevorstehenden Jagd.

Außerdem dienen die Blätter der Guayusa-Pflanze dazu, Besucher aus der Stadt „zu reinigen“, und ihnen Kraft zu geben, bevor sich diese, von Kichwas begleitet, auf einen langen Weg in den Amazonasregenwald aufmachen. Seit 1980 ist die Stadt Tena im Amazonasgebiet die Stadt des Zimtes und der Guayusa, wo jährlich ein Festival stattfindet, um die Guayusa-Pflanze zu würdigen.

Die Mate Pflanze brachte auch den „Guaranís“, einem indigenen Volk in Paraguay, Teilen Uruguays, Argentinien und dem Süden Brasiliens, Kraft für ihre Wege durch den Regenwald. In ihrer Sprache heißt Mate „Kaa“, was so viel wie „Kraut“, „Pflanze“ oder „Regenwald“ bedeutet. Für sie ist der Mate Baum ein Geschenk der Götter. Vor der Kolonisierung Südamerikas, ab 1492, galt die Mate Pflanze als ein wichtiger soziokultureller Bestandteil der Guaranís.

Sie war für sie ein Kultobjekt und auch eine Art Währung. Sie verwendeten die Mate Blätter für Tauschzwecke mit den Inkas, Charrúas und Araukanern, da es diese Pflanze nur im Regenwald gab. Die Pflanze galt für sie außerdem als Heilpflanze, die ihnen Gesundheit, Lebenskraft und Langlebigkeit garantierte. Entweder kauten sie die Blätter oder bereiteten diese als Tee zu. Diesen schlürften sie aus den Mates, welche leere und trockene Kürbisse sind, durch eine Art Strohhalm aus Binse, einer grasartigen Pflanze.

Der Mate Tee und sein soziokultureller Gebrauch ist also stark an die indigenen Völker der Guaranís gebunden. Sein medizinischer Nutzen und Wert wurde von der Wissenschaft lediglich bestätigt, weshalb es an den Konsumenten liegt, die Pflanze und Kulturen, die mit ihr verbunden sind, wertzuschätzen. In Paraguay wurde daher das Mategetränk, das mit kaltem Wasser zubereitet wird, als Kulturerbe und Nationalgetränk Paraguays erklärt

Ab wann begann der Import nach Europa?

Aufgrund der geographischen Lage dieser beiden Pflanzen und der Tatsache, dass die Guayusa-Pflanze vor allem im ecuadorianischen Amazonasgebiet wächst, kam es dazu, dass ab 1492, zu Zeiten der Kolonialisierung, mehr Kolonialisten in die Länder vordrangen, in denen die Mate Pflanze wächst. Dort stellten sie fest, dass die Guaranís bei langen Fußwegen durch den Regenwald mehr Ausdauer und Kraft hatten, nachdem sie Mate zu sich genommen hatten. Mit der Ankunft der Jesuiten im 17. Jahrhundert gewann das Getränk an großer Beliebtheit, woraufhin die Blätter der Mate Pflanze nach Europa exportiert wurden. Vor allem in den 1930er Jahren wurde Mate Tee massiv nach Europa importiert und dort konsumiert. 

Die Gebiete der Guayusa-Pflanze waren vielen Kolonialisten jedoch unzugänglich und auch vielen anderen Bewohnern Ecuadors. Mit der Klassifizierung der Bevölkerung während und nach der Kolonialisierung wurde der Guayusa Tee nicht immer als positiv betrachtet, konsumierten doch hauptsächlich indigene Völker, wie die Kichwas und Shuars, den Guayusa Tee. Die negative Assoziation wurde erst Anfang des 21. Jahrhunderts abgelegt, als zwei U.S.-Amerikaner nach Ecuador reisten und die medizinischen Vorteile der Pflanze für sich entdeckten. Nach einigen Untersuchungen, importierten sie die Blätter der Guayusa-Pflanze in die Vereinigten Staaten, wo diese großer Bekanntheit erlangten. Dann erst gewann die Pflanze an Beliebtheit in Ecuador. 

Region-Napo-in-Ecuador

In Europa dahingegen galt Guayusa bis 2018 als Novel Food, da die Blätter der Pflanze vor 1997 noch nicht in Europa in große Menge konsumiert wurden. Um diese nach Europa zu importieren, mussten zahlreiche Auflagen erfüllt und wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden.

Was bedeutet der heutige Konsum für die Guayusa- und Mate Pflanze?

Heutzutage gewinnt die Guayusa-Pflanze auf dem europäischen Markt an immer größerer Beliebtheit, da der jahrhundertelange Konsum durch indigene Völker und der gesundheitliche Nutzen immer bekannter werden. Der steigende Konsum an Guayusa Tee birgt jedoch auch Gefahren für die Umwelt und die traditionelle Anbauweise in „Chakras“, Waldgärten. Wenn Guayusa -Pflanzen in Monokulturen angebaut werden, führt das zu Krankheiten und Plagen unter den Pflanzen und somit zur Gefährdung des Ertrages.

Die traditionellen „Chakras“ müssen demnach dem kontinuierlichen Druck durch Agrarfirmen, der hohen Nachfrage, aber auch der Ölindustrie, der illegalen Waldrodung, Wasserkraftprojekten und dem Klimawandel standhalten. Dies wiederum erfordert von Politiken seitens des ecuadorianischen Staates, der die traditionellen „Chakras“ als Hindernis des Fortschreitens der konventionellen Landwirtschaft sieht ein Umdenken. So ist die Guayusa-Pflanze für viele Unternehmen, die Guayusa industriell herstellen, lediglich ein Produkt, um Gewinn zu erzielen.

Ecuador

Umso wichtiger ist die Aufrechterhaltung der traditionellen „Chakras“, die von den indigenen Völkern Ecuadors angelegt werden, um Pflanzen, die zur Nahrungsaufnahme, und auch als Heilpflanzen dienen, nachhaltig anzubauen.

Um sich also gegen die Großindustrie wehren zu können, müssen traditionelle Anbauweisen und die Kleinbauernfamilien unterstützt werden, wie beispielsweise durch die Kooperativen wie Kallari und Ally Guayusa, die die Produkte ihre Mitgliederinnen direkt abkauft, so dass ihr Erlös sich nicht durch Zwischenhändler verringert.

Die Mate Pflanze kam bis Ende des 19. Jahrhunderts noch zahlreich in ihrer ursprünglichen Form in den Regenwäldern vor, bis sie ab dem 20. Jahrhundert in Monokulturen angebaut wurde, wofür zahlreiche Waldflächen gerodet wurden, was die Umwelt und die Böden seitdem im negativen Sinn stark beeinflusst hat. In Paraguay beispielsweise sind die Mehrheit der Wälder zerstört worden und es existieren aufgrund der Landwirtschaft nur noch 13% der Fläche des wichtigen Öko-Systems „Atlantischer Regenwald“, der Teile Argentiniens und Brasiliens miteinschließt. So gibt es heutzutage einige Projekte, die sich mit der Aufrechterhaltung von Wäldern und der Wiederaufforstung beschäftigen.

Einige dieser Projekte befassen sich damit unter anderem die Mate Pflanze anbauen, um die Biodiversität von bestimmten Regionen aufrechtzuhalten. Andere Projekte setzen sich dafür ein, die Mate Pflanze zusammen mit indigenen Völkern anzubauen, um diesen ein konstantes Einkommen zu sichern. Das Ziel ist es, dass Matepflanzen unter ökologischen Bedingungen, also zusammen mit anderen Bäumen und Pflanzen, wie Stevia, angebaut werden und nicht mit Pestiziden behandelt werden

Welche Unterschiede gibt es im Geschmack und der Zubereitung von Guayusa und Mate?

Die Mate- und Guayusa-Pflanze unterscheiden sich nicht nur geographisch, sondern auch im Geschmack. Der Mate Tee tendiert im Vergleich zum Guayusa Tee eher zu einer herben Note. Beim Mate Tee ist die Ziehzeit für den Geschmack entscheidend. Zieht er zu lange, kann dieser bitter werden. Das liegt daran, dass die unterschiedlichen Arten des Trocknens oder der Herstellung und organischen Säuren (den Tanninsäuren, die kombiniert in der Yerba Mate auftreten), verändern können und somit den Geschmack beeinflussen.

Der Guayusa Tee ist dagegen eher mild im Geschmack und wird auch nach längerem Ziehen lassen nicht bitter, aber kräftiger. Beide Pflanzen beinhalten Koffein, Theophyllin und Theobromin, welche in Maßen medizinisch wertvolle Eigenschaften aufweisen können. Jedoch enthält Guayusa mehr Koffein, als Mate, lässt Dich jedoch nicht nervös werden. 

Um Guayusa Tee zuzubereiten, werden entweder zerkleinerte Blätter mit kochendem Wasser übergossen oder, so wie es die Kichwa-Familien machen, ganze Blätter mit Wasser aufgekocht. Viele neue Zubereitungsart werden bei Guayusa heutzutage experimentiert. Der Mate Tee wird ebenfalls auf unterschiedliche Art und Weise zubereitet. Bei manchen indigenen Völkern wird der Mate in Zeiten von Hitze oft mit kaltem Wasser zubereitet, in kälteren Zeiten mit heißem, bzw. kochendem Wasser.

Paraguay wird dieser heutzutage auch mit heißem Wasser übergossen und wie andere Kräutertees aus der Tasse getrunken. In Uruguay, dem Süden Brasiliens und Argentinien wird dieser mit heißem, aber nicht kochendem Wasser zubereitet und aus einer Calabaza, dem leeren und trockenen Kürbis, durch eine Bombilla (Trinkröhrchen) geschlürft.